Auch Kritiker der Monarchie betroffen: Nach Tod der Queen wird sich Alltag der Briten drastisch verändern
Von Charlotte Zink, FOCUS Online
Jedes Jahr feierte ihr Königreich ihren Geburtstag, ihr Antlitz sah man im Alltag regelmäßig. Nach dem Tod der Queen ändert sich nun so einiges in Großbritannien. Das werden auch diejenigen mitbekommen, die keine Fans der Monarchie sind.
Die Briten frankieren ihre Briefe mit dem Antlitz der Queen, bezahlen mit Geldnoten, auf denen Elizabeth II. prangt und entrichten ihre Steuern an eine Behörde mit Namen „Her Majesty's Revenue and Customs“.
Seien es Regenjacken, Tee, Bier oder Kosmetika: In den Geschäften tragen die besten Produkte meist das Hoflieferanten-Siegel „By appointment to Her Majesty The Queen“ – kurzum, auch wer kein Fan der Monarchie ist, kam um die Präsenz der Königin nicht herum.
Wer schließt also die Lücke, die nun klafft, da Elizabeth II. gestorben ist? Fakt ist, es wird sich einiges ändern – und das wird jeden einzelnen im Vereinigten Königreich betreffen.
Nationalhymne, Geldscheine und mehr: So wird sich der Alltag verändern
Die Veränderung beginnt bereits mit der Nationalhymne. „God save our gracious Queen!“, sangen Großbritannien, Nordirland und die 14 Commonwealth Staaten in den vergangenen 70 Jahren. Nun wird sich dieser Text ändern. „God save our gracious King!“, heißt es wieder. Zuletzt wurden diese Zeilen für den Vater von Elizabeth II., König George VI. im Jahr 1952 gesungen. Die älteren Generationen werden den Text folglich noch kennen.
Auch Banknoten und Briefmarken sehen anders aus, wenn Charles der König von England ist. Einem Bericht des britischen „Express“ zufolge soll mit der Produktion neuer Banknoten, Münzen und Briefmarken begonnen worden sein, sobald seine baldige Krönung absehbar war. Sprich unmittelbar nach dem Tod der Queen. Es wird davon ausgegangen, dass das Porträt, das dafür verwendet wird, bereits seit Jahren existiert.
Die besten Produkte in britischen Geschäften werden nach dem Tod der Queen wohl das Gütesiegel „By appointment to His Majesty The King“ tragen. Zu Lebzeiten der Queen trugen Waren, die speziell von Prinz Charles‘ Haushalt präferiert wurden, noch das Siegel „By appointment to His Royal Highness The Prince of Wales“.
Ein Land weint um Elizabeth II.
Natürlich betrifft es nicht alle, im Großen und Ganzen aber lässt sich sagen: Die Britinnen und Briten haben ihre Queen geliebt. Besonders imponierte die Monarchin den Menschen mit ihrer eisernen Disziplin und Eleganz bis ins hohe Alter. Auch wer kein Fan der Monarchie ist, erkannte in der Regel an, dass Elizabeth II. der Rolle als Königin ihr gesamtes Leben untergeordnet hatte. Böse Worte hörte man über sie deswegen auch selten.
Das Leben von Elizabeth II. hatte das Volk viel eher fasziniert – auch abseits von offiziellen Auftritten. Banale Fragen wie: „Streicht die Queen zuerst Rahm oder Konfitüre auf ihre Scones?“ wurden deswegen zu echten Dauerbrennern. (Die Antwort lautet übrigens: Erst Marmelade, dann „Clotted Cream“, wie ein Koch des Buckingham Palast einmal verriet.)
Es steht außer Frage, dass der Tod der Queen viele in ihrem Volk mitten ins Herz trifft. Mindestens all diejenigen, die jährlich ihren Geburtstag feierten, werden auch ihren Tod betrauern. Und das sind viele mehr als diejenigen, die man jährlich auf den Fernsehbildern der „Trooping the Colour“-Parade im Juni sah.
Große Geburtstags-Picknicks in Parks in ganz England, „Union Jack“-Wimpel in Pubs und royal-dekorierte Schaufenster – wie viele Verehrer die Queen hat, zeigte sich im Frühsommer jedes Jahr aufs Neue und an zahlreichen Orten in ihrem Königreich. Dass auch die Trauer um die Monarchin nicht nur im Großen, sondern auch in den Winkeln Großbritanniens wahrnehmbar ist, überrascht da wenig.
Für Charles bedeutet das: Er tritt ohne Zweifel in große Fußstapfen. Wie groß, hatte jüngst noch eine Beliebtheitsumfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ gezeigt. In der hatten Millionen Britinnen und Briten offenbart, welche Royals sie am liebsten mögen. Unangefochten auf Platz eins lag damals die Queen. Ihr Sohn Charles hatte es lediglich auf Platz sieben geschafft. Ob er das als König nun ändern kann, bleibt abzuwarten.
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